Gespensterzentrale Band 1 & 2
Habt ihr Lust, das vergangene Berlin einmal hautnah mitzuerleben? Dann taucht mit mir in eine tolle neue Kinderbuchreihe ein. Ich möchte euch die ersten beiden bereits erschienenen Bände vorstellen.
Yunis ist gerade erst mit seinen Eltern nach Berlin gezogen und zwar in ein altes Haus mit hohen, stuckverzierten Decken. In der Altbauwohnung knarren nachts die Dielen und in den Wänden knackt es. Doch das ist noch nichts Ungewöhnliches. Seltsam wird es erst als die Milch überschwappt, Schlammfußspuren im Flur erscheinen, Löcher in den Gardinen zu finden sind und vieles mehr. Eindeutig – es spukt!
Und tatsächlich trifft Yunis in seinem Zimmer auf den Geist der elfjährigen Lotte. Das kesse Mädchen mit der Berliner Schnauze bittet den Gleichaltrigen um Hilfe. Sie möchte zurück in ihr Todesjahr 1897 reisen, um die Umstände für ihren tödlichen Unfall zu klären. Lotte war genau in dem Haus, in dem Yunis jetzt lebt, einst Dienstmädchen und wurde kurz vor ihrem Tod von ihrer Hausherrin zu Unrecht beschuldigt, eine Brosche gestohlen zu haben. Die beiden Kinder reisen tatsächlich mit Hilfe eines Zauberspruchs zurück in Lottes Zeit – das Berlin des Deutschen Kaiserreichs. Werden sie die Umstände, die zu Lottes Unfalltod führten, aufklären und ihn verhindern können? Die Antwort erfahrt ihr in Band 1 "Gespensterzentrale – Das Rätsel der Zeitreise" (Anzeige)*.
In Band 2 "Gespensterzentrale – Rettet Knautschke! (Anzeige)* geht es erneut mittels einer Zeitreise in die Vergangenheit von Berlin. Diesmal reisen Fritzi, Yunis' neue Nachbarin, und "ihr" Gespenst bzw. Geist Hans ins Jahr 1946. Es ist die Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg, Berlin liegt in Trümmern und Lebensmittel sind knapp. Knautschke, das berühmte Nilpferd im Berliner Zoo, droht zu verhungern! Gemeinsam mit Yunis' Hilfe (denn er ist ja seit Band 1 sozusagen ein Experte auf dem Gebiet) geht es zurück in die Nachkriegszeit. Können die Kinder es schaffen, Knautschke zu retten, wenn selbst die Menschen zu wenig zu essen haben?
Die Serie von den Autorinnen Wiebke Nieland und Anne-Dore Krohn gefällt mir richtig, richtig gut. Die Handlung ist spannend, locker zu lesen und vereint gleich mehrere Genre – Detektivgeschichte, Krimi, Geistergrusel, Zeitreiseroman und historische Erzählung.
Es ist sehr interessant, nicht nur trocken etwas über die Geschichte Berlins zu erfahren, sondern sozusagen mitten drin zu sein. Auf kindgerechte und spielerische Weise können Leser hier etwas über das Alltagsleben, die Kleidung, das Essen, die Arbeitszeiten und viele weitere historische Hintergründe – sprich deutsche Geschichte allgemein – erfahren. In Teil 1 wird sogar die Kurrentschrift erklärt. Einfach großartig!
Doch auch die beiden modernen Hauptfiguren – Yunis und Fritzi – beschäftigen wichtige Themen, die alle Leser sicherlich nachvollziehen können: Umzug, Neuanfang, Geschwisterrivalität, Trennung, Wohnungsnot, Angst, Mut, Freundschaft uvm.
Das alte Berliner Mietshaus, in dem alle wohnten oder noch wohnen, ist ein hervorragender Schauplatz und Fixpunkt. Die Idee, in der Zeit zurückzureisen und Dinge wieder gerade zu rücken, hat die Menschheit schon immer fasziniert.
Die wirklich tollen begleitenden Bilder der Illustratorin Barbara Jung wurden teilweise mit Originalaufnahmen der damaligen Zeiten kombiniert. Leider wird die Künstlerin als wichtige Miturheberin der Bücher überhaupt nicht auf dem Titelbild erwähnt!
"Gespensterzentrale" (Anzeige)* ist eine originelle und spannende Kinderbuchreihe für alle Detektive, Gruselbegeisterten, Geschichtsinteressierten, Science Fiction Fans sowie Berlinliebhaber. Ich empfehle euch die Bücher von Herzen.
Alles Liebe,
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